Gaststätte Finkenklause

An einem herrlich nebligen Novembertag haben wir uns auf den Weg in eine Vereinsgaststätte gemacht, die wir schon im Sommer wegen des offenbar sehr schönen Biergartens schon immer auf dem Zettel hatten. Irgendetwas war aber immer. Also eben der eher spontane Besuch an einem trüben, kalten Sonntagnachmittag. Am Ende eines Weges in den Streuobstswiesen und unweit der Auffahrt zur B3 liegt die alteingesessene Finkenklause – zwischen Kleintierzuchtverein und Schrebergarten-Kolonie. Wenn auch jetzt, der Witterung wegen, eher verlassen und ein bisschen traurig, fiel uns sofort der große Außenbereich und der riesige Spielplatz auf. Uns war sofort klar, dass wir mit Sicherheit allein dafür im kommenden Jahr wiederkommen müssen, weil zweifelsohne perfekt für eine kleine Radtour oder nach einem schönen Spaziergang über die Felder. 

Der Gastraum als solcher riecht ein wenig muffig, ist aber dennoch irgendwie putzig – Bestuhlung und Deko im Look der 80er Jahre, helle Holzbestuhlung, hüfthohe Raum-Trenner mit Hydrokulturen, bunt durcheinander gemischtes Allerlei, Radio aus den Boxen. Eben nicht super hipp, aber dafür sehr authentisch. Alle Mittvierziger, die gerne mal an den Wochenenden mit ihren Eltern „ausgeflogen“ sind, packt sofort eine gewisse Nostalgie. Ein Besuch in der Finkenklause ist ein bisschen so, als könne man mit dem Finger schnipsen und sich direkt in die eigene Kindheit versetzen. Und Dinge, die einen an die eigene Kindheit erinnern, mag bekanntlich jeder. Nostalgie pur!

Und die spiegelt sich auch ungebremst sowohl im Speisenangebot als auch in der Umsetzung wieder. Käsespätzle, Schnitzel, mit Käse überbackenes Schweizer Sahnesteak mit Sprühsahne, Pommes und Co. Und ja, das Salatdressing schmeckt nicht unbedingt wie selbst gemacht und die Röstzwiebeln auf den Spätzle wie die, die man sich nach einen Besuch bei Ikea in Massen auf den Hotdog geschüttet hat, aber, und jetzt kommt’s: das macht rein gar nichts! Im Gegenteil.

Im ersten Moment mag sich das jetzt ironisch oder gar sarkastisch anhören, soll aber unter keinen Umständen so verstanden werden. Hier einzukehren fühlt sich an, als wäre man mit Mami und Papi auf großer Tour und würde noch auf dem Spielplatz toben, bis die Pommes endlich da sind. Wo bekommt man denn noch klassische TK-Kroketten im Metallschüsselchen als Beilage!?  Hier. 

Spätestens wenn der zauberhaft nette Kellner in Hemd und Weste einem zum Dessert Vanilleeis mit heißen Himbeeren oder einen klassischen Coup Dänemark an den Tisch bringt, schwelgt man restlos in Erinnerungen. Und das, mit Verlaub, ist ein warmes Gefühl, dass man in vielen schicken, durchgestylten und extravaganten gastronomischen Einrichtungen vergeblich sucht. Inklusiv vielleicht der Geschmacksverstärker in einigen der Fertigprodukte, die im Mund schlicht Party machen.

So seltsam das jetzt klingen mag: für so viel gelebte Authentizität gibt es von uns ein klare Empfehlung! Wir freuen uns schon sehr auf unseren nächsten Besuch. Im Sommer. Mit dem Rad. 

Auszug aus der Karte: Maultaschensuppe 3,90 €, panierter Fetakäse mit Salat 8,20 €, Toast Hawaii 6,90 €, Käsespätzle mit Salat und Zwiebeln 9,90 €, Bratwurst mit Sauerkraut 5,60 €, Lachsbrot mit Ei und Zwiebeln 6,30 €, Wurstsalat mit Brot 7,90 €, Schweizer Sahnesteak mit Kroketten und Salat 13,90 €, paniertes Schnitzel mit Pommes und Salat 11,30 €, Rumpsteak mit Pommes und Salat 19,90 €, Knoblauchsteak mit Pommes und Salat 19,90 €, Schweinelende mit Champignonrahmsoße und Spätzle 14,90 €, Vanilleeis mit heißen Himbeeren 4,60 €, Coup Dänemark 4,60 €

Walldorf Straße 99, 69226 Nußloch, 06224-9226355

Öffnungszeiten: Di. – Sa. 16:00 Uhr bis 22:00 Uhr. So. 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Montag: Ruhetag