Restaurant Contraste

Wann immer sich in einem Restaurant etwas tut, sind wir Feuer und Flamme – neue Betreiber, frischer Wind in der Küche, vielversprechende Renovierungen, neue Konzepte.  Umso fröhlicher und in freudiger Erwartung auf viel Spannendes und qualitativ hochwertige Gerichte haben wir im Contraste einen Tisch reserviert. Nach fast sechs Jahrzehnten hatten die ehemaligen Betreiber des alteingesessenen Lingentaler Hofes im Dezember wahrscheinlich schweren Herzens sowohl Restaurant als auch Hotel aufgeben müssen. Wolfram von Beck, seines Zeichens ehemaliger Geschäftsführer der Print Media Lounge und seine Gattin Seema, übernahmen das Ruder und haben vor dem großen Startschuss vor wenigen Wochen aufwendig renoviert. Hell und freundlich sollte es sein, modern, innovativ aber dennoch regional.  Der Name sollte Programm sein: traditionelle deutsche Gerichte und das „Beste“, was die italienische Küche zu bieten hat. Prima! 

Das hörte sich alles ganz fantastisch an. Bei einem Aperitif auf der frisch renovierten, wirklich riesengroßen Terrasse mit grandiosem Blick, fiel unser Blick leider als erstes auf ein kleines Schild am Tresen, das besagte, dass Kartenzahlung derzeit nicht möglich sei. Ein kleiner, aber aufgrund der Lage doch sehr wichtiger Hinweis darauf, wäre bei der telefonischen Reservierung erfreulich gewesen. Nach etwas umständlicher Beschaffung der finanziellen Mittel für ein mit Freude erwartetes Dinner, folgte der vielversprechende, wenn auch etwas verwirrende Blick in die Karte. Auch wenn ein Mix aus deutschen und italienischen Köstlichkeiten Ansage war, wirkt die Karte ein wenig konzeptlos. Wenig zeitgemäß auch die Auswahl an vegetarischen Speisen – mit lediglich einem veganen Chili aus schwarzen Bohnen gab es leider keine Auswahl. Bis auf eine einzige vegetarische Salat-Variation vielleicht. Aber 16,50 € für einen großen Salat mit Pilzen der Saison schien uns gelinde gesagt unerschwinglich und überteuert. Die freundliche und fast überhöfliche Service-Kraft versicherte uns daraufhin, dass sie einen sehr kreativen Koch hätten, der mit Sicherheit eine Alternative zaubern könne. Immer noch prima. Und vielversprechend. 

Leider, und wir können es mit dem allergrößten Wohlwollen nicht anders sagen, wurden unsere Erwartungen mehr als enttäuscht. Die Kartoffel-Créme-Suppe zu Beginn war nahezu kalt, so gar nicht cremig, sondern von undefinierbarer, brockiger Konsistenz. Die versprochenen Kräuter-Croutons waren gänzlich kräuterlos und so groß, dass man sie eher als Röstbrot-vom-Vortag-in-Suppe hätte bezeichnen müssen. Die Bauernsülze vom Apfelschwein (8,00 €) war belanglos, das sichtlich selbstgebackene Brot eine wirklich schöne Idee, aber leider fast ungenießbar. Wir gehen davon aus, dass es sich um ein Ciabatta handeln sollte, das aber eher schmeckte wie ein dichter, nicht ganz durch gebackener Hefezopf. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man diese simple, italienische Köstlichkeit sogar im heimischen Ofen fluffiger und authentischer backen kann. Dann allerdings mit Vorteig und längerer Ruhezeit.

Unsere vielleicht zu hohen Erwartungen wurden beim Hauptgang dann leider gänzlich enttäuscht. In den Linguine Aglio Olio (faire 5,50 €) war kein Knoblauch zu finden, wohl aber Unmengen von roten Zwiebeln, Rosmarin und Chili. Und letztere waren leider so scharf, dass es auch einem geübten Thai-Esser von innen die Tränen in die Augen getrieben hat und leider reklamiert werden musste, weil zwar ess- aber nicht genießbar. Auf das wirklich nette Angebot, die Pasta neu zuzubereiten, sind wir nicht eingegangen, weil vom pappigen Brot bereits pappsatt. Die letzte, mittlerweile ganz leise Hoffnung lag auf dem rosa gebratenen Filet vom Apfelschwein (17,00 €). Dieses Schweinchen war faserig, trocken und tot gebraten. Schade um das vielleicht wirklich hochwertige Stück Fleisch. 

Kulinarisch gesehen lohnt sich für uns, auf den ersten Eindruck hin, ein zweiter Besuch nicht. Auch wenn man in Betracht zieht, dass der Koch möglicherweise einfach einen schlechten Tag hatte. Nach diesem ersten Eindruck liegt der Verdacht nahe, dass er entweder sein Handwerk nicht gänzlich beherrscht oder es schlimmstenfalls nicht liebt. Trotz der großen Enttäuschung auf dem Teller hätte das Ambiente es rausreißen können. Der Gastraum wirkt jedoch durch den gekachelten Boden und die ungünstige Akustik wie ein Warteraum, dem man vielleicht mit der richtigen musikalischen Untermalung noch ein bisschen Flair hätte verleihen können. Leider entschied man sich für eine Playlist, mit der man im Salzraum entspannt und mit der die ein oder andere Kosmetikerin ihre Kunden bei einer Gesichtsbehandlung einlullt. 

Alles in allem: Schade! Wer in der nächsten Zeit seinen Weg ins Contraste findet, kann uns gerne eines besseren belehren. Für die netten Betreiber würden wir uns über jegliches positives Feedback von anderer Seite freuen. 

Auszug aus der Karte: Carpaccio vom Rinderfilet 14,50 €, Vitello Tonato 13,00 €, Meeresfrüchtesalat 15,00 €, Saltimbocca alla Romana 22,00 €, Wiener schnitzel vom Kalb mit Kartoffelsalat 19,00 €, Rumpsteak mit Pommes 22,00 €, Pizza Margherita 8,00 

Kastanienweg 2, 69181 Leimen (Lingental), 06224-970112

Öffnungszeiten: Mi. – Sa. 18:00 Uhr bis 23:00 Uhr. So. 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Mo. + Di.: Ruhetag