Sabawun

Zugegeben, der Vorgänger in dieser Einrichtung, das Bistro Bagis, war kulinarisch wahrlich kein Highlight und atmosphärisch hatte es auch hier und da seine leichten Schwächen. Aber es war eine Institution, und diesen Status hatte sich Bagis über Jahre erarbeitet. Die Familie führte ihren „Döner-Laden“ sehr freundlich, mit viel Herzblut und Hingabe und waren daher für Weststädter weitaus mehr als nur eben einer von vielen türkischen Imbissen. Für jedermann in der Nachbarschaft stand immer die Tür offen, an der Theke (ja, dieser Döner-Laden hatte eine Theke an der Tee, aber auch sehr gerne Bier getrunken wurde) gesellte sich die bunte Breite der Gesellschaft und wenn Fussball lief, war die Hütte sowieso und immer voll. Kurz: Das Bistro Bagis vereinte mit Bravour Eckkneipe, Buschtrommel, Imbiss, Stadtteil-Café und Hort der Geselligkeit. Das war einfach so, ohne dass die Betreiber sich das je groß auf die Fahne geschrieben hätten. Dies verdient höchsten Respekt und hinterlässt große Fußstapfen, in die der Nachfolger treten wird.

Und dieser afghanische Nachfolger – bei allem Respekt für sein Engagement eine gastronomische Einrichtung bewerkstelligen zu wollen – hat bei seiner Unternehmung, das irgendwie schon fast legendäre Bistro Bagis zu übernehmen, nicht wirklich nachgedacht. Die neuen Macher wissen schlicht nicht, was sie tun! Alles, was dieser Räumlichkeit irgendwie etwas Heimlichkeit verlieh wurde rausgerissen. Die Theke, als zentrales, sehr wichtiges Element musste zusammengewürfeltem Gastro-Mobiliar weichen, klobige Sitzgelegenheiten versperren mit absurder Anordnung barrierefreie Bereiche. Kalte, weiße Kacheln, leere Spiegel, keine Musik und ein schweigender Fernseher ersticken jedes Gefühl des Willkommen-Seins im Keim. Und, als wäre das noch nicht genug – die üppigen Preise des dürftigen, kalten Angebots lassen keinen Zweifel: Hier ist etwas im Argen! Das Sabawun dürfte also einen schweren Start haben. Nicht zuletzt, weil das wenige hundert Meter entfernte Kashmir Tandoori das gleiche Konzept seit Jahren erfolgreich und recht passabel fährt. Und hier ist zumindest das Essen warm…

Auszug aus dem Menü: Pakora 3,00 €, Samosa 3,50 €, Chickenkorma 8,90 €, Chicken-Kebab 7,50 €, Mantu 7,50 €, Spinat mit Reis 6,50 €, Dall mit Reis 6,50 €, Pizza Margherita 5,90 €, Pizza Salami 7,50 €

Rohrbacher Straße 65, 69115 Heidelberg, 0159-01199056

Öffnungszeiten: Mo. – Sa. 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Sonntag: Ruhetag

www.sabawun-restaurant-heidelberg.de