…Poutine

Poutine! Die wuchtige Schnellspeise aus Kanada ist auf den ersten Blick ein wunderliches Gemisch aus Pommes, Käse und Bratensosse, wirkt wenig einladend und Kalorienzähler finden in dem Gericht ihren Erzfeind. Betrachtet man es jedoch genauer, so findet man im Poutine die Antwort auf alle ungelösten Fastfood-Fragen, das Grundnahrungsmittel eines jeden Gourmands, den Rettungsring für beschwipste Nachteulen, eine omnipräsente Delikatesse in vielerlei Gewand und Ursprung und Lösung einer kulinarischen Crux.

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Und um dieser feinen Einmaligkeit auf den Grund zu gehen scheuten wir erneut keine Kosten und Mühen, kontaktierten bewanderte Spezialisten, machten uns selbst- und furchtlos auf die Reise und flogen flugs über den Atlantik in den Osten Kanadas nach Ottawa. Mit ordentlich Hunger und aufopferungswilligem Engagement im Gepäck starteten wir sogleich unsere Reise, um die Essenz dieser Speise zu ergründen, in deren Vielfalt uns zu wälzen und gar vielleicht das Beste seiner Art zu finden.

Aber gleich zu Beginn nahm uns unser Poutine-bewanderter Spezialist unsere naive Euphorie: „Wenn du ein Jahr, jeden Tag in einer anderen Lokalität  Poutine isst, dann schaffst du es vielleicht jedes Poutine in Ottawa und nähere Umgebung zu probieren!“, beruhigte uns jedoch gleichzeitig: „Es gibt nicht das eine, beste Poutine! Es gibt einfach unglaublich viele gute. Es ist ein ganz einfaches Gericht und mit einfachen Dingen kannst du ganz schnell sehr viel anstellen. Die kleinen, feinen Abweichungen machen den großen Unterschied. Und insbesondere bei einem Gericht, wie Poutine, können diese große Auswirkungen haben!“ Später sollten wir noch oft an diese Worte denken…

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Wir schickten uns also an, den „Poutine-Code“ zu knacken, fingen an zu wandern, unsere Sensoren zu kalibrieren, einzukehren und waren mehr als ein wenig überrascht, wo wir Kanadas Fastfood Nr. 1 überall vorfanden. Zunächst orientierten wir uns brav an den unzähligen „Chip-Wagons“ (Pommesbuden) in der Stadt, verfolgten dann mehr oder weniger bekannte „Diners“, waren glückliche Besucher eines kleines „Poutine-Festivals“, durften uns beim Bowling mit dem inoffiziellen Nationalgericht stärken, bekamen mexikanische Versionen vorgesetzt und wurden rot, als man uns ein sehr gutes Poutine in einem nahegelegenen Strip-Club empfahl.

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Wo auch immer wir einkehrten, es war nie das Gleiche! Immerzu variierten Nuancen, schreckten eklatante Unterschiede, verwunderten interessante Innovationen und begeisterten einmalige Zubereitungen! Wir verzehrten Poutine mit pulled-pork, mit Chili con carne, mit Bacon, mit Hühnchensosse, mit Zwiebelringen, mit Ente, mit Lamm, mit künstlichem Käse, thailändisch, vegetarisch, bei einem Chinesen, sogar mit Hummer in Fischsosse und immer wieder in seiner klassischen Form! Und je mehr wir aßen, um so feiner wurde unser Gespür für die doch so simple Speise. Und je mehr wir testeten und mit kundigen Herstellern fachsimpelten, um so klarer wurde unser Bild von einem hochwertigem Poutine.

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Es ist nicht die Beilage, welche den Unterschied macht. Es ist nicht die Größe der Portion, die Verkaufsstrategie oder die Aufmachung, welche ein gutes Poutine ausmacht. Nein! Gerade beim Poutine sind Einheimische wählerisch, achten penibel auf Feinheiten, wissen wo es den richtigen Käse gibt und legen, ob der Qualität wegen auch gerne mal weite Wege hinter sich. Nicht selten wird eine Poutine-Mahlzeit mit der Familie gerne mit einem Ausflug auf dem Lande verbunden und die Öffnungszeiten von beliebten „Chip-Wagons“ (wegen dem kalten Winter erst ab April) sind mit rot, wie ein Geburtstag, im Kalender markiert.

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Bei einem guten Poutine kommt es unbedingt auf drei Dinge an! Die Kartoffeln sollten grob geschnitten, ungeschält (!!) und doppelt frittiert sein. So bleiben sie innen weich und werden nicht zu matschig, wenn die Sosse hinzugefügt wird. Die Sosse sollte Bratensosse sein. Keine Hühnersuppe oder Gemüsebrühe! Und der Käse sollte St. Albert Cheddar sein! Jede Poutinerie, welche auch nur ein wenig etwas auf sich hält hat diesen Käse, welcher vor den Toren Ottawas hergestellt wird. Diese drei Grundpfeiler sind die Basis eines gelungenes Poutines.

Die besten vier Poutines, welche uns mit äusserster Freude in dieser kurzen Zeit aufgefallen sind und welche wir mit Innbrunst und ohne Zögern weiter empfehlen wollen, sind in folgenden Lokalen zu erwerben: 1.  La Patate à Carlo 2.The great canadian Poutinerie 3. Alpengruss Café und 4. Chips & Dairy!

Comments: 2

  1. Jisela Kostanzer says:

    So viel Emotion und Hingabe, haben auch mich sehr Neugierig gemacht!!!

  2. Erik Pratsch says:

    Mit Hummer und ohne Bratensauce und ohne Käse könnte es gut mein Mittagstisch werden. Ein sehr feiner und feingeistiger und emotionaler und kulinarisch-aufregend-spannender Bericht aus dem fernen Ottawa und Umgebung. Besonders die Lösungsansätze + der dann folgenden Auflösungen sind beeindruckend. Sehr gut angelegtes (vieles) Geld der Löffelmeter Brigade zum Nutzen der bisher im Tal der Poutine-Ahnungslosen Herumsitzer :-))