One Dango (Fandango-Jubiläum)

Das Bistro Fandango. Diese einmalige Eckkneipe vorm Herrn im Heidelberger Stadtteil Rohrbach (Herrenwiesenstraße 2/1) ist eine unumstrittene Institution in Sachen feuchter Kehle, dient seit jeher als verlässliche Buschtrommel für neugierige Ortskundige oder wissenshungrige Neuankömmlinge, zieht mit seinem rauchigem Wohnzimmercharakter in seinen wohligen Bann und vereint unaufgeregt viele Generationen, verschiedenste Stände und allerlei Vorlieben an seiner zentralen Theke ohne zu hinterfragen. Hier wird zusammengebracht, was scheinbar nie zusammengefunden hätte. In den Gemäuern des Bistros entstehen Freundschaften und Auseinandersetzungen, die vom größten Schicksalslenker noch nicht einmal erdacht wurden. Die Wirren des Alltags kann man hier im Zeitraffer nachvollziehen, brüchige Lebensläufe bekommen hier eine Bühne, verlorene Seelen werden hier genauso heimisch wie heitere Zeitgenossen, die ihren höchsten Moment in aller Ausgiebigkeit an diesem Ort beschreiten wollen. Vormittags kann man es sich zu Klatsch und Tratsch mit einem „lustigen Kaffee“ oder auch einer Weißwein-Schorle gut gehen lassen, nachmittags wird in diesem Etablissement mit engagierter Wonne dem verdientem Feierabendbier gehuldigt und abends gesellen sich Gestrandete, Sportbegeisterte, Studenten und Freigeister zu trinkfesten Stammgästen. Ereignisreiche Zusammenkünfte finden in dieser Lokalität eine besondere Bühne, Fussballfeste werden zelebriert, wie sonst kaum wo und auf dem Kerbholz dieser Kneipe

sind mehr Mythen und Legenden vermerkt als in 1000 Leben. Im Fandango trifft sich der Alltag, begegnet sich das Besondere, ereignet sich das nicht Erdachte und ohne mit der Wimper zu zucken, gibt sich in dieser Einrichtung die Vielfalt der Gesellschaft mit all seinen Facetten die Klinke in die Hand. Hier trifft sich der Maler mit dem Anwalt, der Jurist mit dem Metzger, der Erwerbslose mit dem pensioniertem General, der Chemiker mit dem Stuckateur, der Friedhofsgärtner mit dem Musiker, der Programmierer mit dem Taxifahrer, die Kegeldamen treffen Rugbyspieler….Kurz: das Fandango ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammen hält, mit einem Schmunzeln reinigt und mit voller Wucht bereichert! Es konfrontiert das eigene Ich mit vielen Eindrücken, berührt das Innere eines Selbst bis ins Tiefste und mit simpler Größe umarmt dieser gastronomische Heimathafen warm ohne zu drücken. Und so feiert das Fandango, was 1989 als Bistro 66 ins Leben gerufen wurde und dann 1992 seinen noch aktuellen Namen bekam, sein 25 jähriges Bestehen, aber vor allem feierte Jimmy Kneipp sein einjähriges Jubiläum als Betreiber. Jimmy, der dieses gastronomische Unikum von Carsten Bodammer übernahm und mit voller Wonne führt, hat sich aufgemacht, mit frischem Wind Eingerostetes zu erneuern, Bewährtes zu erhalten, Tradition und Moderne geschickt zu vereinen und so diesen Ort der Geselligkeit Schritt für Schritt für eine

nachhaltige Zukunft zu wappnen. Bei so viel gastronomischer Historie, heiterer Geselligkeit und gelebtem Herzblut ließ sich der Löffelmeter nicht zwei mal bitten und folgte dem Ruf von Gerstensaft, Spanferkel und dem gesungenen Wort, um diesem besonderen Geburtstag mit all seinen Facetten von früh bis möglichst spät beizuwohnen. Also rührte der Löffelmeter in weiser Voraussicht seinen Detox-Tee an, schnürte seine ganz mutigen Stiefel und stiefelte voller ungewisser Vorfreude in sein Selbstversuchs-Abenteuer der besonderen Art. Gestartet wurde dieser besondere Tag zur frühen Mittagszeit standesgemäß natürlich an der Theke mit einem frischem Chiemseer, während bei den Nachbarn schon etliche Runden Schnaps durch frühsportliche Würfelaktivitäten für laute Erheiterung sorgte. Der Gastgeber nahm seine ersten Präsente entgegen, geschmückt wurde noch für den Abend, Stammgäste schielten mit einem halben Auge zu den Fernsehern, wo die 2. Bundesliga ihr bestes gab und ab und an schaute Nachbarschaft hinein, um sich für den Abend anzukündigen. Das zweite Bier folgte und zur Feier des Tages gab es vom Gastgeber einen selbstgemischten Schnaps, der es in sich hatte. Und es war noch nicht einmal 14:30 Uhr. Vom kontaktfreudigem Thekennachbarn wurde dann gleich noch eine „Runde Schnaps“ hinterher geordert, ich konterte mit einer selbigen und weil es gerade so lustig war, folgte dann auch ein drittes, kühles Blondes. Zum Start der 1. Bundesliga-Konferenz füllte sich das Etablissement, es wurde mehr geraucht, es wurde lauter und auch um den Kopf zu lüften zog es den Löffelmeter zur Erholung auf die „Bürgersteig-Terrasse, um dem immer lebendiger werdenden Treiben beizuwohnen. Der Aussenbereich war bald prall gefüllt, die Laune stieg bei allen Beteiligten, begrüßt wurde stets mit einem Schluck Bier oder einem kurzen Schnaps und nach langer Suche fand sich dann schließlich auch jemand, der das georderte Spanferkel vom Berghof Weinäcker in Gaiberg abholen konnte. Gleich nach dem Eintreffen der fleischigen Wohltat wurde fleißig portioniert, mit Krautsalat und Brot auf Teller verteilt und an die brav anstehende Schar ausgegeben. Gestärkt durch üppiges Mahl wuchs der Mut und die Zuversicht beim Löffelmeter, diesen Abend mit Bravour und vielleicht mit Sternchen zu bestehen und so folgte nach eingenommener Speise eine unaufgeforderte Runde meinerseits. Weitere flüssige Freundschaftsanfragen sollten durch neue Kneipenbekanntschaften folgten, Gespräche wurden knapper und durch ulkige Anekdoten bereichert, „Gürtellinienhumor“ nahm seinen Lauf und alte Freundschaften wurden mit

Inbrunst beteuert! Die ganze Nachbarschaft war gekommen, Freunde waren da, Jung und Alt lachten gemeinsam, local heros und weit Gereiste sassen Stuhl an Stuhl, Familien mit Kindern teilten ihre Bank mit feierlich eingestellten Nachteulen, Studenten trudelten ein, neue Gesichter gesellten sich zu Alteingesessenen und so langsam musste man feststellten, dass dies kein Geburtstag einer Dorfkneipe war, sondern einer Heidelberger Legende sein würde. Als dann gegen 19.00 Uhr Marcus BC Pföhler zusammen mit Martin Achtelik und Robin Pföhler anfing die Menge mit Evergreens und astreinen Klassikern zu bespielen, gab es kein Halten mehr. Die Barkeeper kamen ins Schwitzen, geordert wurde im Sekundentakt und doch wurde ohne Ellenbogen ein Platz an der Theke

ersucht. Die Taktzahl der „Kurzen“ wurde kneipenweit erhöht, Sitzgelegenheiten änderten sich strukturell schneller, dem Austausch über Dies und Das folgte meist ein Schulterklopfen oder eine Umarmung und die hemmende Schwelle sank deutlich erkennbar. Es wurde gefeiert! Unbekannte herzten sich, Freunde ließen ihren Gefühlen freien Lauf, Sekt wurde nicht nur zum Trinken benutzt, Gläser fielen und zerbarsten zu Scherben, Zwielicht machte sich breit und nicht zu Dokumentierendes wurde freiem Raum geboten ohne zu Urteilen. Die Angelegenheit wurde ausufernd ohne ausser Kontrolle zu geraten. Dennoch schlug es plötzlich 4.00 Uhr morgens und der Löffelmeter musste sein hehres Vorhaben bis zum Schluss durchzuhalten mit einem Mal kippen, denn viele andere waren noch nicht so weit und ein Ende war noch lange nicht in Sicht. Die Kraft ließ nach, der unkontrollierte Konsum von Starkprozentigem forderte seinen Tribut und es blieb festzustellen, dass nichts mehr ging. Rückzug nach Hause war angesagt mit den Gedanken daran, dass im Fandango unglaublicher Weise noch feuchtfröhlich weiter gefeiert wird. Und zwar bis 13:00 Uhr am nächsten Tag, wie dem Löffelmeter aus zuverlässlicher Quelle berichtet wurde.