…Lingentaler Hof

Seit 1962 schon thront das Hotel Lingentaler Hof über den Wiesen und Feldern zwischen Leimen und Gaiberg und fast könnte man glauben es sei ungenutzt und verlassen, so ruhig schlummert es träge vor sich hin. Das Gebäude scheint wie ein treuer Freund, der immer da ist und erst fehlt, wenn er nicht mehr anwesend ist! Und um eine unbekannte Freundschaft später nicht missen zu wollen wurde fluchs angerufen, artig reserviert und voller Tatendrang und mit Verstärkung ging es an diesem regnerischem 1. Mai los zum Lingentaler Hof!

Schon mit dem ersten Schritt in die gute, große „Stube“ wurde uns schnell klar, dass dieses Restaurant konserviert wurde. Der Zahn der Zeit hat seine zähen Finger vom Interieur gelassen und mit einem Mal fühlt man sich zurückversetzt in längst vergangene Tage. Ja, solch ein Restaurant mit dem (versteckten) biederen Charme der Sechziger/ Siebziger ist heute schwer zu finden. Es ist nicht, als würde man offensichtlich in einem Museum essen; vielmehr sind es die vielen Kleinigkeiten und unaufdringlichen Accessoires, welche den old-school-flavor ausmachen.

Und, oh Überraschung! Wir taten gut daran, zu reservieren! Volles Haus war angesagt und das männliche, sehr freundliche Personal (natürlich mit klassischen Westen bekleidet) hatte allerhand zu tun. Schnell huschte das Personal von Tisch zu Tisch, Getränke waren bestellt und ehe man sich versah, wurde auch schon die übersichtliche, gutbürgerliche Karte studiert. Fleisch sollte es sein, soviel war klar, ansonsten wäre Schmalhans Küchenmeister! Ergo wurde fast alles bestellt, was die Küche so her gab.

Saisonal bedingt gab`s natürlich Spargel mit Kalbsschnitzel und Pfannkuchen (!), die letzte Ente wurde geordert, ein Schweineschnitzel mit Bandnudeln sollte es sein, Putenschnitzel mit hervorragenden Pommes (!) wurde bestellt, ein Rumpsteak mit Pfefferrahmsosse durfte nicht fehlen und natürlich musste die Leber mit Zwiebel, Apfel und leckerer Sosse mit auf den Tisch. Das Essen war insgesamt ordentlich und wurde immer mit ausreichend Extrasosse geliefert. Der Salat kam direkt aus den 80ern, Spezi heißt hier noch kalter Kaffee und bei den Bandnudeln hätte ein Italiener sofort das Lokal verlassen.

Das deftige Essen zeugt von Zeitlosigkeit und klassischer Kochkunst! Hier werden Trends dezent ignoriert, denn man will seine treue Kundschaft nicht unnötig vor den Kopf stoßen. Das, was nun seit mehr als 50 Jahren funktioniert, soll, wenn möglich nicht verändert werden, denn „die Familientradition verpflichtet die Betreiber ihren Gästen Ruhe und Behaglichkeit“ zu bieten und keine Experimente!

Der Lingentaler Hof, nicht zu verwechseln mit dem Gesamtkunstwerk Landgut Lingental, strotzt vor Tradition und Stillstand! Hier bleibt alles beim alten, denn es scheint zu funktionieren. Wer hier einkehrt, will das Bekannte oder das längst Vergessene! So lebt die Legende, der Lingentaler Hof, für seine treuen Besucher weiter!