…Frietmuseum – Brügge

Der Löffelmeter war mal wieder neugierig, wollte es genau wissen und fragte sich, wie aus heiterem Himmel, was es denn mit der Pommes auf sich hat? Das geschnittene Gold, leuchtendes Symbol für schnelle Speise und Innbegriff für fettigen Kartoffelgenuss ist aufgrund seiner Omnipräsenz als Beilagenevergreen in die triviale Versenkung gerutscht und scheint zu einem seelenlosen Partner einer Hauptspeise degradiert worden zu sein. Um also diesem kulinarischen „Nebendarsteller“ auf den Grund zu gehen und näher kennen zu lernen, wurde flugs gebucht, gepackt und ehe wir uns versahen, fanden wir uns in Brügge vor dem einzigartigem Frittenmuseum, eingebettet in einer der schönsten Gebäude der Stadt: der Saaihalle, wieder!

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„Goedendag!“ begrüßte uns Luc, unser gebuchter Museumsführer und selbst ernannter Frittenpapst, führte uns schnell an überdimensionalen Plastikfritten und vielen Kindern vorbei, bis wir  vor antiken Zeitzeugen der Kartoffelkultur aus Peru standen. Er erläuterte uns, dass es in diesem südamerikanischen Land zur Hochzeit bis zu 4000 unterschiedliche Kartoffelvariationen gab und diese schon damals sehr skurrile Formen und Farben entwickelten. Er zeigte uns den langen und beschwerlichen Weg der Kartoffel von Südamerika bis nach Europa auf, erwähnte den bösen Kartoffelkäfer, zitierte historische Dokumente und versuchte die ganze, allumfassende Dimension der Kartoffel rüberzubringen. Und plötzlich, so ganz langsam, erreichte unsere Nasen der Geruch von frittierten Pommes…Einbildung? Gezielte Raumbelüftung? Wir waren verwirrt und zu schüchtern, um zu fragen.

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Unser Kartoffelexperte hingegen wurde immer emotionaler, als wir fortfuhren und er uns den unumstößlichen Beweis vorbrachte, dass die „friet“ den Belgiern zu verdanken ist. „Die Bevölkerung an dem Fluss Maas waren es gewohnt Fische zu fangen und diese dann zu frittieren. In den 1750er Jahren war der Winter sehr hart und der Fluss gefroren, also schnitten sie Kartoffeln in Stücke und frittierten sie anstatt dessen. Die Geburt der heutigen Pommes!“

Weiter ging es an zahlreichen Maschinen vorbei mit welchen man Kartoffeln bearbeiten und Pommes herstellen kann. Er beteuerte, dass sich eigentlich das beste Ergebnis für gelungene Fritten in einer Pfanne erzielen lässt und dass man in Belgien die Pommes ausschließlich in Papierspitztüten serviert. Er führte uns an antiken Öfen, wunderlichen Utensilien und Photos von mobilen Frittenbuden, so genannten frietkot, vorbei. Er erklärte uns leidenschaftlich, dass die Pommes in Amerika French Fries heissen, weil im ersten Weltkrieg die amerikanischen Soldaten die Belgier, welche ihnen Pommes Frites anboten, für Franzosen hielten. Und gerade, als wir in einer kurzen Pause die gotische Architektur des Gebäudes staunend bewunderten und wir uns schon kampflos dem fettigen Geruch ergaben hatten, da….ja da winkte uns Luc und wir folgten ihm in die Katakomben.

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Im Gewölbekeller des Gebäudes erwartete uns eine überdimensionale Fritteuse für Pommes und der Ursprung der olfaktorischen Untermalung dieser Führung! Hier brodelte es und man weiss, hier schlägt das Herz des Museums! Die Pommes werden hier in Rindernierenfett  zunächst bei 140 °C bis 180 °C gegart, dann herausgenommen, abgekühlt und dann wieder bei 190 °C bis 200 °C frittiert bis sie oben schwimmen. Wenn die kartoffelige Pracht dann in Papierspitztüten auf dem Tablett serviert wird und man sich die Sossen auswählen darf, weiß man spätestens jetzt, dass die oft unterschätzte Pommes hier in Belgien Hauptdarsteller ist. Die vielseitigen Sossen, welche den Pfad von Ketchup und Mayonnaise längst verlassen haben, heben die „friet“ auf ein Niveau vom Fleischfondue oder Sushi.

Und betrachtet man die lange Reise, welche die Kartoffel hinter sich gebracht hat, bis sie als Pommes vor uns endete, so ist dieser ehrenwerte Status, als Delikatesse, durchaus berechtigt!

www.frietmuseum.be