…Erik Pratsch

 

 

Ein Interviewtermin mit Erik Pratsch, Küchenmeister und ehemals Technischer Oberlehrer der Heidelberger Hotelfachschule, auf dem wunderschönen Landgut Lingental sollte einiges versprechen und doch wurden unsere Erwartung um mehr als Vieles übertroffen! Denn wie sich herausstellte, ließ es sich Herr Pratsch nicht nehmen uns bei dieser Gelegenheit das Gesamtkunstwerk Landgut Lingental vorzustellen! Er machte uns mit den Machern und involvierten Personen bekannt, gab uns Einblick hinter die Kulissen, führte uns über das weitläufige Gelände und erläuterte uns dabei sehr detailliert und ausführlich die einzelnen Einrichtungen und Höhepunkte dieses einmaligen Projektes!

Es begann mit einem kurzen Spaziergang zur duftenden Blumenwerkstatt, dann durch den Hinterausgang hinaus zur kunstvoll arrangierten Boulebahn und entlang des herrlichen Löschwasserteiches direkt zur Hof-Patisserie von Boris Ehinger. Hier erwartete man uns schon für einen schnellen Rundgang durch die Räumlichkeiten. Im Allerheiligsten, der Backstube, wurde uns eine sagenhafte Köstlichkeit offeriert, die uns mit einem süssen, kräftigen Tritt in eine andere kulinarische Dimension feuerte! Cremig, schokoladig, fruchtig und virtuos entzückten diese Delikatessen unsere Gaumen! Als krönenden Abschluss durften wir noch die gute, alte Rüblitorte von Boris Ehinger und seinem sehr netten Team versuchen und uns davon überzeugen, dass es hier den perfekten Kuchen gibt. Süsse Gaumen werden in dieser Patisserie ihr neues Mekka finden, obgleich es ihnen schwer fallen wird diese aufwendig arrangierten Augenschmäuse zu verzehren. Hier sind die Produkte etwas Besonderes!

Nach mehreren Schlenkern durch noch stille, kunstvoll renovierten Räumen, welche an allen Enden und Ecken nur so vor kleinen Besonderheiten strotzen, unterbrachen wir unseren Gang vor den Toren des Gourmet-Restaurants „oben“, begutachteten die aktuelle Karte und wechselten ein paar Worte mit the man, the Küchenchef, Robert Rädel!

Anschließend war Zeit für Kaffee und Tee (mit einem ordentlichen Service) im Landcafé Bonafede und es näherte sich der Zeitpunkt der Offenbarung! Wo bzw. wie ernährt sich ein Koch der Köche, wenn er nicht selber kocht? Wie speist eine gastronomische Institution wie Erik Pratsch, wenn er nicht selbst den Kochlöffel schwingt? Wo, ja wo nur isst ein Herr Pratsch?

Die Antwort war lang und viel. Auf Papier festgehalten und mit Bedacht ausgewählt, begann Herr Pratsch mit seiner Auflistung und es folgte eine sehr detaillierte Reise durch die kulinarische Landschaft der Region. Ein Austausch über gastronomische Favoriten wurden bereichert mit Anekdoten aus Herrn Pratschs jahrzehntelanger Erfahrungen! Seine Empfehlungen sind bunt und abwechslungsreich, sprühen nur so vor Qualität und sind immer einen Besuch wert, aber eine intensivere Beschreibung würde hier den Rahmen sprengen.

Zu Beginn überraschte er uns, als er die Küche der Print Media Lounge lobte, da wir sie gar nicht auf dem Radar hatten. Daraufhin empfahl er das Gasthaus „Zum Schwanen“ im beschaulichem Waghäusel und legte uns schwärmend die Heidelberger Holzofenbäckerei nahe, wenn wir ganz tollen Kuchen essen wollen („Die machen einen Kuchen, wie ein Omakuchen, da schnallen Sie ab!“). Ferner huldigte er der Bäckerei Kapp aus Edingen-Neckarhausen und erwähnte für den Heidelberger Raum die Waldschenke, die Metzgerei Unger, das MoschMosch, das Urban Kitchen, das red, das Falafel („Der arme Kerl war ja auch in der Markthalle drin“), das schöne Masala („Die haben Ahnung!“), Bordeaux Magnum („Die haben Merguez, die muss man kaufen. Und leckere Sandwiches, also belegte Baguettes“) und auch das Bootshaus („Hier gehe ich mit Gästen aus Frankreich hin, um ein Glas Champagner zu trinken und eine Currywurst zu essen.“).

Weiter mag er es im Golden Pflug in Eiterbach zu speisen und beim Christian`s in Neckargemünd schätzt er die kleine, aber sehr gute Mittagskarte („Alles picobello! Und wenn man da sitzt ist es, als wäre man im Urlaub!“).

Für alle kulinarischen Ausflugsfreunde gibt er als unbedingte Ziele noch das Schützenhaus in Oftersheim, den Kreuzberg Hof in Tiefenbach, die Axt in Mannheim, aber vor allem das Gartenhaus von Barth Pucci in Lobbach als gastronomische Reise an!

Abschließend wurde noch die Misere der alten Markthalle eruiert, der falsche Schein der Handschuhe bei Köchen erörtert und der Trug von Tetra-Pack-Produkten und selbst gemachter Produkte, wie Ketch-up ausführlich diskutiert.

Zum Abschluss führte uns Herr Pratsch noch zum Lingentaler Lieblingsladen und zur urigen Vinothek von Laibach und Seeger, wo man unterm Dach hervorragend eine exklusive Weinprobe abhalten kann.

Ein Ausflug zum Landgut Lingental ist wie ein kleiner Urlaub! Es ist ein Besuch in eine kleine, feine Welt, wo jedes Detail stimmt. Alles hat Hand und Fuss, ist exklusiv und durchdacht und doch sind die Menschen hier bodenständig und freundlich. Das Landgut Lingental besticht durch Präzision, der Erhalt des Alten ist allgegenwärtig und man spürt, dass dieses Projekt, so groß es auch sein mag, eine Herzensangelegenheit ist!

Herr Pratsch, wir bedanken uns über alle Maßen für die herrliche, ausführliche Führung mit Blick hinter die Kulissen! Sie führten uns mit kundiger Hand, teilten ihr wertvolles Wissen mit uns und öffneten Türen, welche sonst verschlossen blieben! Danke!